Mein Ausrüstung für den Makrobereich Teil 2:
von 1,5 bis etwa 8,5-fache Vergrößerung


 

Mit ein bisschen Basteln kann man sich das Leben so viel einfacher machen


 

Häufig bekomme ich Leserzuschriften, mit der Frage, wie ich bei hohen Vergrößerungen “on location” – also unterwegs – fotografieren würde. Denn das Hauptproblem in der Makrofotografie jenseits eines Abbildungsmaßstabs von 1:1 – also der 1-fachen Vergrößerung – ist das weitgehende Fehlen von Objektiven, die man direkt an die Kamera ansetzen kann. Daher habe ich mich entschlossen in einer kleinen Artikelserie meine Ausrüstung nach Abbildungsmaßstab (Vergrößerung) gestaffelt vorzustellen. Im Teil 1 ging es um den Bereich von Lebensgröße (1:1) bis etwa 1,5-fache Vergrößerung (1,5:1). Im Teil 2 stelle ich Ihnen meine Ausrüstung für den Bereich von etwa 1,5-facher bis 8,5-facher Vergrößerung vor.

Alle Kamerasysteme haben ihre Vor- & Nachteile. So baut nur die Firma Canon derzeit ein richtiges Makroobjektiv: das Lupenobjektiv Canon MP-E 65 mm. Es kann von 1-facher bis 5-facher Vergrößerung fokussiert werden. Zwar ist auch dieses Objektiv nicht optimal (schlechte Ausleuchtbarkeit des Motivs durch den dicken Tubus an der Front), aber wenigsten ist es optisch gut. und besitzt eine Springblende. Wer nicht mit Canon fotografiert, der hat natürlich Pech – so wie ich. Doch auch hier gibt es gute Lösungen. Allerdings verlangen diese etwas basteln. Aber keine Angst viel Geschick brauchen Sie nicht:

Noch vor wenigen Jahren verwendete ich meine Lupenobjektive Zeiss Luminar II 63 mm, Nikon Macro-NIKKOR 35 mm und Leica Photar II 25 mm ausschließlich an dem hervorragenden Balgengerät BALPRO T/S der Firma Novoflex (mehr dazu in Teil 3 dieser Serie). Aber Hand auf’s Herz! Wirklich praktisch war dieses Vorgehen für die Fotografie unterwegs – “on location” – nicht: ein Balgengerät ist groß und nicht gerade das stabilste Gebilde auf Erden. Daher beschloss ich vor ein paar Jahren ein Zubehörteil meiner ersten Kameraausrüstung zu reaktivieren: den Olympus Telescopic Auto Extension Tube 65-116 mm. Hierbei handelt es sich im Grunde um einen Zwischenring dessen Dicke man von 65 bis 116 mm variieren kann. Manchmal findet man dieses seltene Zubehörteil noch auf eBay.

Doch freilich ist dieser variable Zwischenring für das Olympus OM-Bajonett. Daher beschloss ich ihn auf Nikon F Bajonett umzubauen. Sicher gibt es dafür viele Möglichkeiten. Ich entschloss mich für ein echtes Austauschbajonett (also keinen Adapter) der Firma Leitax. Nach nur 5 Min basteln war das rückseitige Bajonett ausgetauscht. Hier gibt es eine bebilderte Anleitung. Um meine Lupenobjektive an diesem Makrotubus zu verwenden schloss ich am Frontbajonett einen Olympus OM auf M39 Adapter sowie einen M39 auf RMS Adapter an. Beides kann man von der Firma Novoflex kaufen. Allerdings findet man beide nicht auf deren Internetseite, daher einfach eine Mail an Novoflex schreiben. Alternativ stelle Olympus auch einen Olympus OM auf RMS Adapter her. Aber diese sind sehr schwer zu finden.

Zwei Asiatischer Marienkäfer (Harmonia axyridis) bei der Kopulation (2,15-fache Vergrößerung)
Bei dieser Aufnahme verwendete ich den Makrotubus mit meinem Zeiss Luminar II 63 mm und fotografierte “aus der Hand”

Fotografierweise

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Fotografie im hoch vergrößernden Makrobereich ist eine große Herausforderung. Dennoch bietet das hier vorgestellte Setup meiner Meinung nach große Vorteile, die ich Ihnen im folgenden Text hoffentlich etwas näher bringen kann.

Zum Fotografieren setze ich den so modifizierten Makrotubus zwischen Kamera und Lupenobjektiv. Der Vorteil zum Balgen liegt in der geringen Größe und Masse. Darüber hinaus ist der Makrotubus aus Metall wesentlich robuster als ein Balgengerät, dessen Balgen aus einem Stoff-Papiermaterial besteht. Bei (leichtem oder einsetzendem) Regen ein weiterer willkommener Vorteil!

Der umgebaute Makrotubus mit dem Zeiss Luminar II 63 mm
Der umgebaute Makrotubus mit dem Zeiss Luminar II 63 mm

Die Vergrößerung einstellen

Die Einstellung der Vergrößerung – und damit den Bildausschnitt – erfolgt indem ich die Länge des Tubus über den gummierten Ring verändere. Dies entspricht dem Vorgehen, wie man mit dem Canon MP-E 65 mm oder einem Balgengerät arbeitet.

Umgebauter Makrotubus mit vollem Auszug
Umgebauter Makrotubus mit vollem Auszug

Das Fokussieren

Zum Fokussieren wird die Kamera vor und zurück bewegt – genauso wie beim Canon MP-E 65 mm oder einem Balgengerät. Dazu montiere ich meist den Makrotubus mittels seiner Stativschelle auf einen Einstellschlitten, der auf einem Getriebeneiger montiert ist. Dies gilt insbesondere bei den hohen Vergrößerungen. Beim Einsatz des Zeiss Luminar II 63 mm, mit dem ich von 1,33 bis 3,23-facher Vergrößerung mit dem Makrotubus fotografieren kann, sind sogar mit recht wenigen Einschränkungen Freihandaufnahmen möglich.

In diesem Fall verwende ich allerdings ein Einstelllicht in Form einer 1 – 3 W LED, um im dunklen Sucher (siehe nächster Abschnitt) auch noch fokussieren zu können. Wobei ich fairerweise hervorheben möchte, dass “fokussieren” ein sehr geschönter Begriff ist. “In die Schärfe wackeln” würde es sicher besser treffen. Entsprechend hoch kann auch der Ausschuss an unscharfen Aufnahmen sein. Wobei mit etwas Übung bei 2/3 der Aufnahmen die Schärfenebene auch wirklich da sitzt wo sie sein soll. Einige Male habe ich auch mit dem Leica Photar II bei etwa 4 – 6-facher Vergrößerung “frei Hand” fotografiert. Hier war der Ausschuss allerdings schon erheblich höher.

Die Blende einstellen

Die Einstellung der Blende erfolgt hier manuell als Arbeitsblende, da Lupenobjektive (bis auf ganz wenige Ausnahmen) keine Springblende besitzen. D.h. die Blende muss vor der Aufnahme auf den gewünschten Wert geschlossen werden. Dies bedeutet, dass man im Zweifel die gesamte Ausrüstung beim Berühren des Blendenrings nochmals etwas bewegen könnte. Daher stelle ich meist schon vor dem Fokussieren die Blende auf den gewünschten Wert ein. Bei “Freihandaufnahmen” ist dies ohnehin die einzige Möglichkeit. Dabei verdunkelt sich natürlich der Sucher aufgrund der fehlenden Offenblendenmessung (Springblende). Auch wenn dies sicher ein Nachteil ist, in der fotografischen Praxis merkt man davon überraschend wenig. Denn die effektive Blende (also die real am Sensor ankommende Lichtmenge) ist bei hohen Vergrößerungen ohnehin nicht mit der aufgedruckten Blende vergleichbar.

Ein Beispiel:

Bei 2,1-facher Vergrößerung, wie bei dem Naturfoto der sich koppulierenden Marienkäfer oben, ist die effektive Blende t bei voll geöffneter nominaler Blende (f4,5 ) nur Blende t14 (f4,5 x (2,1+1) = t13,95). D.h. um ohne übermäßige Beugungsunschärfe zu fotografieren darf ich nicht mehr als um einen Blendenwert abblenden. Der Helligkeitsunterschied im Sucher ist zwar wahrnehmbar, aber nicht (mehr) dramatisch. Bei 3,2-facher Vergrößerung, für das das Zeiss Luminar II 63 mm gerechnet ist, erhält man die besten Ergebnisse bei etwa einer halben Blende abgeblendet. Dies bedeutet, dass ich bei diesen Vergrößerungen in der Regel immer im Bereich von Blende t19 – t 22 fotografiere.

Die Beleuchtung & Belichtung

Der Schlüssel zu scharfen Naturfotos im Makrobereich ist die Beleuchtung! Denn die größte Herausforderung beim Fotografieren bei deutlichen Vergrößerungen ist neben dem Fokussieren die Vermeidung von Bewegungsunschärfe. In der Regel ist schon der Spiegelschlag selbst bei relativ kurzen Belichtungszeiten im Bereich um 1/125 s deutlich als strichförmige Verwacklungen, die von oben nach unten im Bild verlaufen, wahrnehmbar. Dazu kommt natürlich bei Freihandaufnahmen noch die Bewegungsunschärfe vom Fotografen und die Bewegungsunschärfe vom Motiv.

Die beiden Blitzgeräte SB-R200 beleuchten hier die Szene von schräg oben als
Die beiden Blitzgeräte SB-R200 beleuchten hier die Szene von schräg oben als “Sonne” und als leichter Aufheller vomn schräg vorne.

Aus diesem Grund habe ich die besten Erfahrungen mit der möglichst ausschließlichen Blitzbeleuchtung gemacht. In der Regel verwende ich hierzu die beiden Nikon SB-R200 Blitzköpfe aus dem Nikon R1C1 Blitzset. Beide montiere ich auf einen einfachen Blitzhalter mit Schwanenhälsen.

Um das Umgebungslicht möglichst zu unterdrücken verwende ich eine niedrige ISO (meist um 100), sowie die kürzest mögliche Synchronzeit von 1/250 s. Dies führt außer bei prallem Sonnenschein dazu, dass das normale Umgebungslicht nur sehr schwach zur Belichtung beiträgt. Die eigentliche Belichtung erfolgt dann über die beiden Blitzköpfe. Deren Stärke lasse ich meist von der i-TTL autoamtik einstellen. Nur bei sehr glänzenden Motiven verwende ich auch die manuelle Einstellung. Meist sind Leistungseinstellungen um 1/4 der Vollzündung richtig. Auf diese Weise werden mögliche Bewegungen eingefroren und Bewegungsunschärfe unterdrückt. Wenn ich ein statisches Motiv vom Stativ aus fotografiere ist dies natürlich nicht nötig und ich verwende entweder keine Blitzgeräte oder stelle das Verhältnis zwischen Blitzlicht und Umgebungslicht so ein, dass ich die gewünschte Bildwirkung erziele.

Zwei Kräftige Stockrosen-Spitzmausrüssler (Aspidapion validum) bei der Paarung.
An einem sonnigen Tag wird selbst bei effektiver Blende 22 und 1/250 s der Himmel im Hintergrund noch recht gut belichtet. Nikon D800E mit Leica Photar II 25 mm f2.0 an umgebautem Olympus Telescopic Auto Extension Tube 65-116 mm bei 4,2-facher Vergrößerung

Erzielbare Vergrößerungen

Mit dem fertigen Makrotubus kann ich nun in einem handlichen Setup viele verschiedene Vergrößerungen* erreichen:

Zeiss Luminar II 63 mm:

Makrotubus eingefahren: 1,3-fache Vergrößerung
Makrotubus vollständig ausgefahren: 2,2-fache Vergrößerung
Makrotubus eingefahren + 36 mm Zwischenring: 1,9-fache Vergrößerung
Makrotubus vollständig ausgefahren + 36 mm Zwischenring: 2,7-fache Vergrößerung
Makrotubus eingefahren + 12 +20 + 36 mm Zwischenring: 2,4-fache Vergrößerung
Makrotubus vollständig ausgefahren + 12 +20 + 36 mm Zwischenring: 3,2-fache Vergrößerung

Leica Photar II 25 mm:

Makrotubus eingefahren: 4,2-fache Vergrößerung
Makrotubus vollständig ausgefahren: 6,1-fache Vergrößerung
Makrotubus eingefahren + 36 mm Zwischenring: 5,6-fache Vergrößerung
Makrotubus vollständig ausgefahren + 36 mm Zwischenring: 7,5-fache Vergrößerung
Makrotubus eingefahren + 12 +20 + 36 mm Zwischenring: 6,7-fache Vergrößerung
Makrotubus vollständig ausgefahren + 12 +20 + 36 mm Zwischenring: 8,7-fache Vergrößerung

* Diese Werte wurden durch Abfotografieren einer Mikrometerplatte berechnet und können von denen mittels der nominalen Brennweite der Objektive errechneten Werte etwas abweichen.

In der nächsten Folge

Im Teil 3 dieser Serie stelle ich Ihnen meine Ausrüstung für den Makrobereich von 8,5 bis etwa 30-facher Vergrößerung vor.

COMMENTS

  1. Stefan 

    Klasse Bilder! Die Ameise mit dem direkten Blick in die Kamera ist fantastisch.
    Die Idee das Galgengerät durch den umgebauten Makrotubus zu ersetzen ist wirklich toll. Ich habe auf eBay einige “Helicoide” gesehen. Was ist von denen zu halten? Die sind sicher günstiger als der original Olympus-Tubus.

    • bjoernlanglotz 

      Hallo Stefan,
      ich habe besagte Helicoide selbst noch nicht in der Hand gehabt. Daher weiß ich nicht genau wie gut sie sind. Auf den Bildern sieht es jedoch für mich so aus, als ob sie im Inneren nicht gegen Streulicht beschichtet sind. Das ist meiner Erfahrung nach sehr wichtig, um den Kontrast zu erhalten.
      Darüber hinaus kommt mir der Verstellweg recht kutz vor. Da müsstest du schon merhere solcher Helicoide kombinieren. Daher habe ich mich für den alten Olympus Tubus entschieden und bin sehr glücklich damit.

  2. Karsten 

    Hallo Björn,
    ich war ja schon gespannt was in Teil 2 auf mich wartet. Das hat mich aber wirklich von den Socken gerissen. Mir war überhaupt nicht bewusst, wie schwierig es ist bei 3 – 5-facher Vergrößerung zu fotografieren. Aber Deine Bastel-Idee mit dem alten Makrotubus ist wirklich genial!
    Überrascht war ich wie Du die Belichtung bewerkstelligst. Ich hätte mir das komplizierter vorgestellt. Wie kommt man denn an solche Lupenobjektive ran? Ich habe in der Bucht nur sau teure Teile gefunden. Gibt es da auch etwas für den Einsteiger?

    • bjoernlanglotz 

      Hallo Karsten,
      die Lupenobjektive sind in der letzten Zeit wirklich teuer geworden. Such auch mal nach Vergrößerungsobjektiven. Die (APO)-Componone von Schneider-Kreuznach sind sehr gut. Ein Bekannter von mir hat sich das 28 mm Componon sehr günstig ersteigert. Im dslr-Forum hat er einen Erfahrungsbericht mit Bildern gepostet.

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